Freie Presse vom 4.September 2001

Innung wartet nicht auf Wunder

Gesellen feierlich freigesprochen und Abschlusszeugnisse überreicht

Von Silke Hollenbach

Chemnitz. Die alljährliche feierliche Gesellenfreisprechung der Konditoren und die Verleihung der Abschlusszeugnisse an die Verkäuferinnen der Fleischer-, Bäcker- und Konditoreninnung durch die Innung fand am Sonntag im Renaissance- Hotel Chemnitz statt. Die Konditorin Madlen Flemming, die ihre Ausbildung beim Hohndorfer Konditormeister Andreas Bauerfeind absolviert hat, erhielt ihre Gesellenfreisprechung. Außerdem konnten neun Fachverkäuferinnen nach erfolgreicher Prüfung ihre Abschlusszeugnisse in Empfang nehmen. Es fällt auf, dass die Innungsfachbetriebe aus dem Landkreis Stollberg oft mehrere Lehrlinge eines Jahrgangs ausbilden. So bekamen in der Neuwürschnitzer Fleisch- und Wurstwaren GmbH zwei Fachverkäuferinnen ihre Zeugnisse ausgehändigt. Die Bäckerei Stefan Bauerfeind aus Hohndorf führte dieses Jahr drei neue Fachverkäuferinnen erfolgreich zur Prüfung, bei der Bäckerei Weißbach in Stollberg waren es zwei junge Frauen. In der Bäckerei Walter aus Neuwürschnitz und der Fleischerei Gerhard Müller aus Neukirchen bekamen je eine Fachverkäuferin ihre Abschlusszeugnisse überreicht. "Unsere Betriebe stehen zur Ausbildung" sagte Innungsobermeister Stephan Fiedler und forderte gleichzeitig eine bessere und gezieltere Vorbereitung der Schüler bis zur 10. Klasse. Unterrichtsfächer wie Deutsch, Sport oder Wirtschaftsund Sozialkunde müssten dort ihren Abschluss finden. Die Berufsausbildung könne sich nicht mit unerledigten Hausaufgaben der Mittelschulen abgeben. Auch mahnte er die mangelnde Unterstützung der Politik für mehr Ausbildungsplätze an. Er hätte den Eindruck, man würde Jahr für Jahr wieder auf Wunder warten, statt einen klaren Weg zu weisen. Deutlich wies er darauf hin, dass die derzeitige massive Abwanderung der jungen Menschen in die alten Bundesländer keine Lösung sei und erinnerte an den Generationsauftrag, den alle zu erfüllen hätten. Trotz aller Probleme würden die Handwerksmeister optimistisch in die Zukunft blicken, da sie sich ihrer Verantwortung voll bewusst wären.