Freie Presse vom 8.Februar 2005

Pfannkuchen-Test: Grö├če allein reicht nicht

"Freie Presse" prüft Geschmack, Gewicht und Preis - Bäcker des Landkreises backen in der Faschingszeit das Achtfache an Berlinern

Von Mandy Fischer, Matthias Behrend, Werner Richter und Elke Göpfert

Stollberg. Ob Faschingsmuffel oder nicht - einmal beißt jeder rein. Der leckersten Karnevalverführung kann keiner entsagen. Deshalb machen die Bäcker seit einigen Tagen Überstunden. "In der Faschingszeit werden acht Mal mehr Pfannkuchen gebacken als sonst. Hinzu kommen Spritzringe, Krapfen, Schneesterne", berichtet Innungsobermeister Gunter Weißbach. Im Kreis Stollberg gibt es 30 Bäcker und Konditoreien, 25 sind Mitglied der Innung. Weißbach aus Stollberg und Walter aus Neuwürschnitz sind die größten Bäcker-Betriebe. Die "Freie Presse" wollte es genau wissen, hat die Pfannkuchen von zehn Bäckern getestet (natürlich ohne Vorwarnung) und ist zu erstaunlichen Ergebnissen gekommen. Das erste: Einige Bäcker hielten trotz Faschings an ihrer Montags- Schließung fest. Das zweite: Abseits aller geschmacklichen Vorlieben gibt es erhebliche Unterschiede beim Preis-Gewichts-Verhältnis: Der schwerste Berliner (so heißen die Pfannkuchen im Bäcker- Fachjargon) gehört zu den preiswertesten. Zwischen leichtestem und schwerstem Faschingsgebäck liegen 29 Gramm. Denn für Pfannkuchen gibt es keine Normgröße und keine Preisvorgabe. Der Hefeteig wird in kleinen Stücken abgewogen und in die runde Form gebracht. Mit einem Durchmesser von 30 Zentimetern kommen die Teile in die Wirkmaschine, dann aufs Blech. Nach dem Garen werden sie in Fett ausgebacken. "In Erdnussfett, das ist das beste", sagt Weißbach. Danach kommt die Füllung: klassisch mit Marmelade oder Pflaumenmus oder ausgefallener mit Eierlikör und Nugat, auch mit Senf, allerdings nur auf Kundenwunsch. "Dafür gibt es bei uns eine Mischung mit extra viel Pfeffer und Essig. Die Einstichstelle wird mit Marmelade zugepinselt, damit den Senf keiner ahnt", verrät Weißbach. Zum Schluss wird gezuckert. Und an der Außenhaut scheiden sich die Geister. Manche verführen mit hingehauchtem Puderzuckerüberzug, bei anderen halten sich Zuckerkrümel und Fett gegenseitig fest. Im Pfannkuchen-Geschmackstest der "Freien Presse" gibt es keinen eindeutigen Sieger. Während die "Seidel-Berliner" durch Aussehen, Form und leckere dunkle Marmelade begeistern, bestechen die Pfannkuchen aus der Zwönitzer Filiale der Erzgebirgischen Backwaren mit fruchtiger Marmelade und besonderer Frische. Etwas mehr Marmelade hätten wir uns vom Tauscher- Bäcker gewünscht, dessen Küchlein optisch etwas hermachen! Schwups, die Marmelade vom Neuwürschnitzer Pfannkuchen landet auf der Hose, sonst präsentiert er sich fest und kompakt. Der Oelsnitzer von Epperlein imponiert mit seiner Größe. Ein klasse Preis-Leistungs- Verhältnis bietet der Stache- Bäcker aus Pfaffenhain. Geteilte Meinungen haben die Tester zur Beschaffenheit des Weißbachschen Teiges. Größe, Aussehen und Marmelade werden unisono gelobt. Das ausgeprägte Aroma fällt beim Bauerfeind- Bäcker aus Hohndorf sofort auf. Dafür hätte es ein bisschen mehr Füllung sein können, auch bei den Müller-Pfannkuchen aus Lugau, bei denen wiederum der Teig lecker ist. Gut gezuckert präsentieren sich die kleinen flachen Berliner aus der Leukersdorfer Seifert-Bäckerei. Aber natürlich lässt sich über Geschmack immer streiten!

Preise und Gewichte
Walter (Neuwürschnitz): 0,58 EUR/58,6g
Epperlein (Oelsnitz): 0,52 EUR/83,3g
Tauscher (Thalheim): 0,50 EUR/54,3g
Seidel (Stollberg): 0,55 EUR/64,3g
Backwa. Anna. (Zwönitz): 0,60 EUR/72,3g
Müller (Lugau): 0,50 EUR/55,0g
Weißbach (Stollberg): 0,57 EUR/78,3g
Stach (Seifersdorf): 0,45 EUR/75,3g
Bauerfeind (Hohndorf): 0,58 EUR/61,0g
Seifert (Leukersdorf): 0,57 EUR/56,0g